Zwei Ausflüge nach Ruanda und Einblick in einen Teil der Geschichte und Tradition dieses Landes und die Frage ob Intervention immer die beste Lösung ist.

Mein erster Besuch:

Um die Osterzeit rum, fuhr ich mit dem Bus fuhr ich mit drei anderen Freiwilligen in die Hauptstadt Ruandas: Kigali.

Ungefähr in der Mitte der Strecke standen wir dann erst einmal an der Grenze von Uganda zu Ruanda. Auf der Seite von Uganda gab es dann  einen Stempel zur Ausreise aus Uganda, was ziemlich flott von Stelle ging. Dann ging es zu Fuß über die Grenze nach Ruanda wo nun ein längeres Prozedere auf uns wartete. Nach einigem Hin und Her, hatten wir dann auch alle den Stempel zur Einreise nach Ruanda in unserem Pass. Noch eine kurze Kontrolle, ob wir irgendwelche Art von Plastik in unserem Rucksack versteckt halten (à kurze Info dazu: Es gibt ein strenges Plastiktütenverbot in Ruanda schon seit mehreren Jahren), und ging es weiter nach Kigali.

Auch in Uganda gilt dieses Verbot schon seit einigen Jahren, jedoch ohne Durchsetzungserfolg. Seit ein paar Monaten jedoch, konnte ich beobachten, wie in den großen Supermärkten die Plastiktüten gegen Papiertüten ausgetauscht wurden. Das heißt auch Uganda ist nun auf einem guten Weg, nur wird dieser Weg noch viele Jahre lang dauern, bis wir auch hier bei dem Ergebnis sind, dass man in Ruanda schon jetzt erzielt hat

Erste Eindrücke von der Fahrt:

-Die Straßen sind viel sauberer als in Uganda. Selbst in den Dörfern sieht man kaum Müll herumfliegen, alles ist sehr ordentlich. à Das Verbot von Mülltüten erfüllt seinen Zweck und wird wirklich strikt eingehalten!

– Es gibt Straßenschilder, Ampeln, Kreisel und Zebrastreifen und die Menschen halten sich sogar an die Verkehrsordnungen! 😀

– Es herrscht Rechtsverkehr.

– Alle Bodafahrer fahren ein sehr sicher aussehendes Motorrad und haben Kennungsnummern und jeweils zwei Helme für sich und ihrer Mitfahrer.

– Es gibt Linienbusse wie bei uns in Deutschland mit festen Fahrzeiten.

Auch als wir Kigali dann erreichten, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Alles ist dort so europäisch! Von den Hochhäusern zu dem Straßenbelag bis hin zu Lichtern auf der Fahrbahn, die dir mit den Farben Grün und Rot anzeigen in welche Richtung du fahren musst. Es ist wirklich unglaublich was es für große Unterschiede gibt, sobald du die Grenze überquerst.

Den ersten Tag nutzen wir erst einmal zum Ankommen und zum kleinen Kigali Bummel. Dabei fiel uns auch noch eine andere Sache auf: Alles ist sehr viel teurer als in Uganda. Auch die Umrechnung in Ruanda Franks war am Anfang echt verwirrend. (So sind zum Beispiel 2000 Ruanda Franks fast 2 Euro wert).

Am nächsten Tag besuchten wir das Memorial Museum zum Genozid in Ruanda in Kigali und eine der Memorialstätten.

Der Gang in dem Museum und auch der Ausflug zu der Memorial Stätte war sehr bedrückend und belastend aber auch sehr informativ. In dem Museum gab es Tafeln mit genauen Informationen zum Genozid in Ruanda und auch Bilder und Kleider von ermordeten Kindern, Frauen und Männern.

Die Memorialstätte zu der wir danach fuhren ist eine Kirche, in der sich mehrere Hundert Menschen des Stammes Tutsi zugehörig versteckten, schließlich aber entdeckt, und grausam ermordet wurden. In der Städte konnte man noch Hunderte von Kleidungsstücken und Kochmaterialien sehen, die die Menschen dort hingebracht hatten. Sie flohen damals in diese Kirche, da sie davon überzeugt waren, dass ihnen im Haus Gottes nichts geschehen könnte. Hutu Angehörige kamen schließlich und warfen Granaten in die Kirch und erschossen die Überlebenden. Am erschreckendsten für mich war, dass sie Babys und Kleinkinder so lange an die Wand schleuderten, bis deren Schädel brach.

Nach diesem Tag waren wir erstmal alle sehr still und in unseren Gedanken gefangen.

Ein kleines Hintergrundwissen zum Genozid in Ruanda:

-Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten.

-Sie kosteten circa 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben.

-Vorgeschichte:

Während der Kolonialzeit und der Besetzung durch Belgien, wurden Angehörige der Tutsi Minderheit  bevorzugt. Sie bekamen Posten in der Politik etc. Unter der Besetzung von Deutschland wurde dann offiziell die Rassenunterscheidung von Tutsi und Hutu eingeführt. Es wurden Karten angefertigt mit der Stammeszugehörigkeit jedes Einzelnen. Hauptmerkmal war die Größe der Nase. (à Die Ausmessung der Nase und die strikte Rassentrennung erinnert an die Separation der Juden in Deutschland unter der Herrschaft von Hitler!).

Nach Ende der Kolonialisierung kam nun ein Angehöriger des Hutu Stammes an die Macht.

Der Hass gegen die Minderheit der Tutsi, die die letzten Jahre immer in den Führungspositionen gewesen waren, sowie auch die an der Führung des Handels beteiligt waren, stieg immer weiter an. Viele Hunderte flohen schon zu diesem  Zeitpunkt in benachbarte Länder, unter anderem nach Uganda. Ausschlaggebend schließlich für den Beginn des Genozid, war das Abschießen eines Flugzeuges, in dem der Präsident saß. Das Attentat wurde den Tutsi zugeschrieben.

Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Menschen aus der Hutu Bevölkerung dieses Flugzeug abschossen, um die Menschen gegen die Tutsi aufzuhetzen. Mit Erfolg.

Am 6. April 1994 begann die Hetzjagd auf die Tutsi Bevölkerung. Freunde und Nachbarn wurden plötzlich zu Feinden. Es gab keinen Zusammenhalt mehr, fast jeder beteiligte sich an der Hetzjagd, vor allem Mitglieder der Regierungstruppen, der Nationalpolizei und der Verwaltung, sowie ein Großteil der Hutu Bevölkerung. Das Ziel war es die Bürger des Tutsi Stammes nicht einfach nur zu töten, sondern sie auf grausame Weise zu ermorden. So zwang man Kinder ihre eigenen Eltern zu töten oder schlug so lange mit einer Machete auf sie ein, bis sie durch Schädelspaltung schließlich starben. Die die Tutsi halfen oder generell gegen den Genozid waren wurden ebenfalls ermordet.

Zu Beginn waren noch  vor Ort stationierten Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die United Nations Assistance Mission for Rwanda (UNAMIR) in Ruanda. Anstatt diese Truppen zu verstärken, zogen die Vereinten Nationen stadtessen ihre Soldaten zurück. Den stationierten Gruppen der Franzosen warf man sogar vor sich bei dem Genozid zu beteiligen.

Diese Fakten schockierten mich am meisten und machen mich sehr wütend. Europa und die USA sowie die Vereinten Nationen griffen nicht ein, obwohl dieser Genozid sich öffentlich auf den Straßen ereignete und es außerdem Fotobeweise gab. Sie schauten zu, wie eine Millionen Menschenà 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi, brutal hingerichtet wurden und griffen nicht ein. Gerade nach der europäischen Vergangenheit und des Genozids gegen die Juden, liesen wir es zu, dass sich die Geschichte in einem kleinen afrikanischen Land noch einmal wiederholt.

Auch ist es kaum zu fassen, dass die Rassentrennung von Tutsi und Hutu, erst durch die Europäer eingeführt wurde. Vor der Kolonialisierung, unterschied man in Ruanda nicht zwischen den einzelnen Völkergruppen. Alle sprachen die gleiche Sprache, alle waren gleich.

Letztendlich marschierte dann die NRA (Nord Resistand Army) ein, und fing an die Tutsi Minderheit zu verteidigen. Erst jetzt traute man sich auch auf Seiten der UN einzugreifen und schickte Truppen nach Ruanda. Nun schmückte man sich wieder mit dem Fakt, man habe den Genozid beendet.

Wenn ich so etwas höre, frage ich mich immer wieder, in was für einer Welt wir hier leben In einer Welt, in der Milliarde von Menschen zuschauen und keiner eingreift.

Auch muss ich mir an dieser Stelle die Frage stellen, wie die afrikanischen Länder sich ohne die Kolonialisierung entwickelt hätten. Wie viel Gutes im Vergleich zu wie viel Leid hat sich aus dieser Zeit ergeben? Warum müssen wir Europäer und gerade die Amerikaner sich in alles einmischen. Wer sagt denn dass unsere Lebensweise besser ist als die Kultur der afrikanischen Länder?

Diese Gedanken beschäftigen mich nicht nur seit meinem Besuch in Ruanda.

Schon seit ich hier in Uganda bin, stelle ich mir immer wieder die Frage, wie anders Uganda ohne die Kolonialisierung sein würde.

Natürlich die Hochhäuser in Kampala sind beeindruckend und man bekommt sogar italienisches Eis in einem schicken Café in der Innenstadt, doch ich sehe eben auch die anderen Gebäude, die alle irgendwie zusammen gestoppelt aussehen, nicht wirklich System vorweisen, sondern in Eile aufgebaut wurden. Uganda konnte sich nicht richtig selber entwickeln. Das Land und seinen Bürgern wurde das europäische System schlichtweg aufgezwungen, und nun stehen sie da, alleine mit einem fremden System, dass sie selber nicht entwickelt haben.

Wie soll ein Land aus diesem ganzen Chaos rauskommen?

Ich denke, dass es gut wäre wenn jeder von uns sich einmal Gedanken machen könnte, inwiefern eine Intervention von europäischer und amerikanischer Seite hilfreich ist, und in wie weit man den afrikanischen Ländern ihren Freiraum geben muss, damit diese sich selbst wieder aufbauen können.

Die Frage der Intervention in die Angelegenheiten anderer Länder ist ein sehr schwieriges Thema, über das man fast nicht genug diskutieren kann!

Also fangt am besten gleich anJ

Nun  zu meinem zweiten Besuch in Ruanda:

Ein guter Freund von mir hatte mich schon vor ein paar Monaten gefragt, ob ich Lust und Zeit hätte mit ihm auf die Introduction (Familieneinführungà  Erklärung siehe Rundbrief 2) seiner Cousine zu gehen. Ich habe natürlich sofort zugesagt, und so ging es am Wochenende  vor zwei Wochen nach Ruanda. Auch diesmal mit reiste ich mit dem Bus, nur mit dem Unterschied, dass ich an der Grenze kein Geld für das Visum bezahlen musste (woran das lag weiß ich bis heute nicht).Wir kamen dann gegen Abend in Kigali an und fuhren zu dem Haus eines Onkels von meinem Freund.

Die ganze Familie begrüßte mich total herzlich und ich wurde sofort in den Familienverband aufgenommen. Es tat sehr sehr gut mal wieder Teil einer Familie zu sein, weil ich das in Mbarara leider nicht habe. Am Tag der Introduction überzeugte mich die Tante von meinem Freund, ein traditionelles ruandisches Kleid zu tragen, in dem ich mich letztendlich echt wohl fühlte, da der Stoff sehr leicht und angenehm zu tragen ist.

Gegen Mittag ging es dann zur Introduction. Ich war zuerst einmal überwältigt von der Dekoration, die nicht so kitschig war, wie auf den ugandischen Introductions und einfach echt Stil hatte.

Die ganze Zeremonie unterschied sich zu der ugandischen, nur das anfängliche Begrüßen und der Smalltalk zwischen der Seite des Mannes und der Seite der Frau war gleich.  Danach wurde aber viel mehr gesungen und getanzt als bei einer ugandischen Zeremonie. Das Gute war auch, dass ich diesmal auf der Seite der Frau war, und so auch die „Afterparty“ mitbekam und nicht nach Hause fahren musste, wie die Gäste auf der Seite des Mannes.

Nach der Zeremonie und der Afterparty erkundete ich dann noch ein wenig mit den Anderen das ruandische Nachtleben und wurde nicht enttäuschtJ. Selbst im Club merkte man den westlichen Einfluss, und der halbe Club war voll mit Muzungus.

Gedenkstätte
Gedenkstätte
Gedenkstätte in der über 1000 Menschen brutal ermordet wurden
Gedenkstätte in der über 1000 Menschen brutal ermordet wurden

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Busse in Ruanda
Busse in Ruanda

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ruandisches Kleid
ruandisches Kleid
Introduction
Introduction
Kigali Town
Kigali Town

Nach diesem Wochenende voll mit sehr schönen Erlebnissen und Erfahrungen, ging es wieder zurück in meine „Heimatstadt“ Mbarara.

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