Diskriminierung von Frauen in Uganda

Eine andere Art von Diskriminierung und Unterdrückung erlebe ich hier auch in Uganda: Die Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen.

Bevor ich nach Uganda gekommen bin, schien mir das Land relativ fortschrittlich, was die Behandlung und Gleichberechtigung von Frauen angeht. Ich hörte und las, dass viele Frauen Führungspositionen in NGOs (Non Government Organisations) einnehmen, und auch in der Politik mitwirken. Das stimmt zum Teil auch. Es gibt in jedem Distrikt von Uganda die Regel, dass mindestens eine Frau ein „Member of Parliament“, eine Stellvertreterin im Parlament, sein muss. Auch gibt es einige NGOs, in denen Frauen die Führungspositionen einnehmen. Vergleicht man jedoch den Männeranteil und Frauenanteil in Politik und NGOs, nehmen Männer immer noch weitaus mehr Plätze ein. Auch sind mehr Männer in Entscheidungen beteiligt als Frauen und alle Führungspositionen in der Wirtschaft werden von Männern besetzt. So ist es Frauen zwar „erlaubtAnteil zu nehmen, doch haben sie eigentlich nicht die Chance sich gegen die starke Männerfront durchzusetzen. Männer gelten immer noch als mehr zuverlässig, intelligent und nehmen in den meisten Fällen die Führungsposition ein.

Doch woher kommt dieses Denken?

Um den Ursprung dieses Denkens zu verstehen, muss man sich erst einmal mit der ugandischen Kultur beschäftigen.

In der ugandischen Kultur gilt der Mann immer noch als Ernährer und Oberhaupt der Familie. Er hat Kontrolle und entscheidet über alles. Die Frau muss ihm gehorchen und darf ihm nicht widersprechen. Schaut man sich zum Beispiel eine Liste an, mit all den Dingen die ein Familienleben ausmachen: Land, Haus, Geld, Ausstattung, Wasser, Schulbildung der Kinder usw., so hat der Mann über alles  volle Kontrolle, und die Entscheidungsmacht und profitiert von allem am meisten. Die Frau hingegen, kann einiges davon nutzen, jedoch gehört ihr nichts. Selbst wenn die Frau ein Einkommen besitzt, ist es der Mann der dieses verwaltet und entscheidet für was es letztendlich ausgegeben wird.

Dies führt letztendlich dazu, dass die Frau zum Eigentum des Mannes wird und Ihm auf Leib und Verderben ausgeliefert ist. Der Mann kann sich alles erlauben und seine Taten mit dem Satz „so ist das nun einmal in unserer Kultur“, begründen.

Hinzu kommt das typische Rollenbild von Mann und Frau: Der Mann als Oberhaupt der Familie, der das Geld anschafft und die Familie beschützt, die Frau als Hausfrau, die waschen, kochen und den Haushalt schmeißen muss und sich um die Kinder kümmert. Dieses Rollenbild hat sich bis heute nicht verändert. Trotzdem eigentlich fast alle Frauen arbeiten (oft sehr harte Arbeit auf dem Feld), sogar meistens mehr als der Mann, kommen sie nach Hause von der Arbeit und müssen das Essen für den Mann bereithalten. Danach wird gewaschen und geputzt und die Kinder ins Bett gebracht, während der Mann bequem vor dem Fernseher sitzt und die Frau durch das Haus scheucht. Manchmal ist es sogar so, dass der Mann keine Arbeit hat und die Frau die Familie ernähren muss und nebenbei den Haushalt schmeißt. Wenn die Frau jedoch zu faul ist oder nicht sofort das Essen bringt und es auch noch wagt etwas gegen den Mann zu sagen, wird Prügel als „Erziehungsmaßnahme“ benutzt.

Dieses Rollenbild ist so sehr in den Köpfen der Menschen verankert, dass schon bei der Erziehung der Kinder darauf geachtet wird, dass der Junge sich auf keinen Fall in der Küche aufhält, währenddessen schon kleine Mädchen beim Kochen, Waschen und Feuerholz holen helfen müssen.

Diese Fakten habe ich nicht aus einem Lehrbuch, sondern von einem Workshop in St. Francis. Dieser Workshop geht von dem Counselling Training Institute aus, und behandelt das Thema Gewaltfreiheit.

In diesem Kurs ging es vor allem um den Abbau von Vorurteilen, dem Umgang mit den eigenen Emotionen, der richtigen Erziehung von Kindern und dem typischen Frau und Mann Rollenbild. Einer der Übungen, in diesem Workshop war, dass sowohl Frauen als auch Männer aufschreiben sollten, was sie sich von dem anderen Geschlecht wünschen. Bei den Frauen kamen Antworten wie: „Bitte Männer erlaubt uns unser Einkommen zu behalten, erlaubt uns und Organisationen anzuschließen, Männer bitte schlagt uns nicht“, usw. Die Frauen baten also um Erlaubnis für Dinge, die eigentlich schon in ihrem Besitzt oder in ihren Entscheidungen liegen. Sie machen sich selber zu Opfern, in dem sie dem Mann seine Führerrolle vollkommen ausleben lassen und die Regeln in ihrer Kultur als Grenzen für sich selber verstehen. Die Männer hingegen schrieben Dinge wie: „Frauen kocht gut und wascht für uns, kümmert euch um eure!! Kinder, kommt nicht spät nach Hause, tragt keine Männerklamotten“. Nach diesen Antworten kochte so eine Wut in mir und ich war einfach nur fassungslos.  Es ging dann noch weiter: Nach diesen Antworten entstand eine große Diskussion um die Frage warum Frauen  in Uganda so wenig Rechte haben. Antworten der Männer waren: „Wenn meine Frau auf ihre Rechte pocht und plötzlich möchte dass wir uns die Hausarbeit teilen, zerstört dass unsere ganze Familie. Ihr müsst einfach verstehen, dass das nun mal unsere Kultur ist“, oder auch: „Ich bin grundsätzlich für mehr Rechte für Frauen, doch möchte ich entscheiden welche Rechte meine Frau bekommt“.

Der Mann sieht es also als sein Recht an, Frauen ein paar ihrer Rechtezukommen zu lassen“. Doch ist meiner Meinung nach vielmehr so, dass Frauen diese Rechte besitzen und diese ergreifen und nutzen müssen!! Es geht nicht darum, dass Männer den Frauen erlauben, Rechte zu haben und in die Politik zu gehen. Es geht darum, dass Frauen für sich selber einstehen, sich ihrer Rechte bewusst werden und sich nicht mehr von der Männerfront unterdrücken lassen.

Wandel in diesem für mich veralteten Rollenbild, das einfach nicht mehr in eine Zeit voller ständiger Veränderungen passt, kann nur von Seiten der Frauen ausgehen. Nur wenn Frauen endlich rebellieren und aus diesem veralteten kulturellen Rollenbild ausbrechen, kann es mehr Gerechtigkeit in Uganda, und in so vielen anderen Ländern dieser Welt geben.

Frauen fangt an und werdet euch eurer Rechte bewusst! Und wenn ihr euch eurer Rechte bewusst seid, helft anderen Frauen! Wartet nicht auf Andere um euch den Anstoß und die Erlaubnis zu geben, seid eurer eigener Anstoß!

Wie ihr wahrscheinlich merkt, sind die Themen Gerechtigkeit und Gleichberechtigung sehr wichtig für mich geworden. Immer wieder sage ich mir, dass ich ja nur ein Leben habe, und ich dieses Leben dafür nutzen muss, um einen kleinen Schritt in Richtung Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu gehen. Auch weiß ich, dass viele kleine Schritte von vielen anderen Menschen, zusammen einen großen Schritt ergeben können. Also geht diese kleinen Schritte mit mir zusammen!!

 

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