Mein Reisemonat Dezember–> Mbarara–> Kampala–>Mbale–> Sippi

Nach anstrengenden Arbeitsmonaten, war es nun endlich an der Zeit, mal aus meinem allzu bekannten Heimatort Mbarara hier in Uganda rauszukommen. Los ging es mit Ricarda und Meggie, einer amerikanischen Freundin von uns beiden, Richtung Mbale. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei meiner Gastfamilie machten Ricarda und ich uns auf zum Buspark, in dem die Busse nach Mbale losfahren, dort würden wir dann auf Meggie treffen. Die Idee war mal wieder einfacher als die Umsetzung. Zuerst war es überhaupt schwer sich zu dem Buspark durchzufragen, als wir dann endlich am Eingang des Busparks standen, sagte uns jeder, den wir fragten, einen anderen Namen dieses Platzes. Nach langem hin und her fanden wir dann raus, dass wir uns am richtigen „parc“ befinden und fanden dann auch endlich Meggie in dem ganzen Getümmel. Kurzes Fazit: Der Buspark nach Mbarara ist sehr viel angenehmer!!
Nach dem Kauf unserer Fahrkarte saßen wir dann endlich im Bus und warteten bis es losging. Ein wenig Aufregung lag in der Luft, da keiner von uns bis jetzt in die „andere Richtung“ gefahren war. Durch mein Fenster konnte ich dann wirklich so langsam Veränderungen im Landschaftsbild erkennen, zur besseren Veranschaulichung werde ich das Landschaftsbild im Vergleich zur Landschaft in der Umgebung Mbarara/Kampala darstellen: Mbarara ist vor allem eines: sehr grün. Die Umgebung um Mbarara ist sehr fruchtbar, es wächst dort eigentlich fast alles was man sich so an ugandischen Obst- und Gemüsesorten vorstellen kann. Vor allem ist man immer und überall von Matookepantagen (zur Erinnerung Matooke->Kochbanane) umgeben. Auf der Fahrt Richtung Mbale veränderte sich nun von Zeit zu Zeit die Farbe des Grüns. Es gab nun keine Matookeplantagen mehr, dafür umso mehr weite Wiesen und Wälder, umgeben teilweise von Hügeln.
Das Grün und die gesamte Vegetation erinnerten mich an die Natur zu Hause in der Sommerzeit.

Dann nach eineinhalb Stunden Fahrt fuhren wir durch „Jinja“ durch. Einer relativ kleinen, aber schönen Stadt. Das Besondere an dieser Stadt ist, dass sie an der Quelle des Nils liegt, den wir auch auf einer Brücke überquert haben. Meine erste Nilüberquerung in meinem Leben!!
Je mehr wir nach Mbale kamen, desto staubiger wurde es auch. Die Straßen wurden schlechter, die Hütten in den Dörfern waren oft nicht mit einem Wellblechdach bedeckt, sondern von einem Stroh-Lehmdach. Doch das Beeindruckenste als wir in Mbale ankamen, war die Bergformation mit dem „Mount Elgon“ an der Spitze. Von überall in Mbale kann man diese Bergformation sehen.

Mbale an sich ist im Vergleich zu Mbarara sehr staubig, die Hauptstraße ist nicht geteert sondern besteht aus Steinen und Lehm. Mir ist das wahrscheinlich deshalb so sehr aufgefallen, da ich in Mbararas Innenstadt mit seinen geteerten Straßen und ordentlich gebauten und angeordneten Häusern kenne. Dennoch habe ich mich in Mbale wirklich wohlgefühlt. Es herrscht eine ganz besondere Stimmung in dieser Stadt, wahrscheinlich vor allem durch diese faszinierende Natur außenherum.
Nach einer Nacht bei unserem Mitfreiwilligen Johannes, und einem Besuch seiner Organisation „CRO“, die sich um die Resozialisierung und Wiedereingliederung von Straßenkindern in deren Familien kümmert, ging es dann auf in einem Taxi Richtung „Sippi“. Die drei bis vier Stunden Fahrt war dann relativ anstrengend, da das „Matatu“ vollgestopft war bis obenhin, ich zum anderen keinen richtigen Sitzplatz hatte und mir der Mann hinter mir ständig irgendwas ins Ohr gebrüllt hat. Eine Stunde vor Sippi hieß es dann alle aussteigen das Matatu endet hier. Weiter ging es mit einem Sammeltaxi (normales Auto mit so vielen Menschen vollgestopft wie es nur geht) nach Sippi.
Sippi ist ein kleines Bergdorf. Touristisch attraktiv machen diese Gegend die sogenannten „Sippi Falls“ (drei an der Zahl).

Nach dem Ankommen in unserer Herberge für drei Nächte und einer Dusche, machten wir eine Kaffeetour mit einem Guide. Die Gegend um Sippi ist nämlich bekannt für ihren „Arabica Kaffee”, einer Kaffee Art die in nur ganz wenigen Teilen dieser Erde angebaut wird. Wir lernten dann die komplette Reise einer Kaffeebohne von der Staude bis hin zum fertigen Kaffee kennen.DSCF8069 DSCF8086 DSCF8089 DSCF8095 DSCF8103 DSCF8104 DSCF8110 DSCF8116 DSCF8124 DSCF8141 DSCF8145 DSCF8152 DSCF8155 DSCF8176 DSCF8179 DSCF8192 DSCF8195 DSCF8198 DSCF8199 DSCF8216 DSCF8219 DSCF8220 DSCF8235 DSCF8237 DSCF8238 DSCF8250 DSCF8262 DSCF8267 DSCF8271 DSCF8286 DSCF8288 DSCF8299 DSCF8310 DSCF8313 DSCF8325 DSCF8335 DSCF8349 DSCF8354 DSCF8360 DSCF8363
Nach diesem selbsthergestellten Kaffee machten wir uns auf den Rückweg zu unserer Herberge und platzen direkt in einen Festlauf hinein. Es ging dabei um einen Lauf, der am Abend vor der Beschneidung eines Jungen stattfindet. Der Junge ist dabei aber schon jugendlich und sein Körper und sein Gesicht sind mit weißer Farbe bemalt. Als der Lauf auf unserer Höhe war, umringten sie uns plötzlich und sangen und tanzten. Das war in diesem Moment aber ein wenig furchteinflößend, weil alle männlichen Teilnehmer dabei sehr düster dreinschauten. Es gab dann auch schließlich eine Auseinandersetzung, weil sie dachten wir hätten sie fotografiert. Sie liesen sich auch nicht wirklich beruhigen, nachdem wir ihnen gezeigt hatten, dass wir keine Fotos gemacht haben. Das war der erste Moment nach so vielen Monaten, in dem ich mich wieder wie ein totaler „Muzungutourist“ fühlte. Das sollte sich auch die nächsten Wochen in diesem Monat nicht mehr ändern.
Nach einer kurzen Nacht bestiegen Meggie und ich dann um 6:30 Uhr einen kleinen Hügel von dem man aus die ganze ugandische Hochebene in dieser Region sehen kann, und warteten auf den Sonnenaufgang. Ein wunderschönes Erlebnis.
Am gleichen Tag ging es dann auf eine große 6-stündige Tour zu den drei „Sippifalls“. Ricarda und ich keuchten schon nach den ersten Minuten eindeutig zu wenig Sport in den letzten Monaten!! Es ging dann aber wirklich zum ersten Wasserfall viele Meter bergauf. Doch die Strapazen lohnten sich: Es war das erste Mal, dass ich einen tropischen Wasserfall sah, und alleine die Flora und Fauna war atemberaubend.

Es war dieses typische Bild, das man von einem tropischen Regenwald im Kopf hat: Sehr viele Pflanzen, wunderschöne Blumen, meterhohe Bäume und bunte Vögel überall. Und dann noch dieser Wasserfall, den man schon von weitem hört, und der einfach ein totales Naturwunder ist.
Nach Fotos direkt am Wasserfall(ja wir wurden pitschnass), ging es dann auf Richtung Wasserfall Nummer 2. Dieser vollendete dann das Bild des „abenteuerreichen“ Regenwaldes, denn hinter den Wassermengen liegt eine von Menschenhand geschaffene Höhle.
Diese Höhle wurde aber nicht zu Schutzzwecken gebaut, sondern entstand bei dem Abbau von Mineralien für Zwecktiere (Rinder etc.). Es war wirklich unglaublich hinter so einem Wasserfall zu stehen.
Beim dritten Wasserfall erwartete uns dann das Highlight der Tour: Meggie und ich würden uns 60 Meter neben dem größten Wasserfall abseilen.
Es hieß dann Augen zu und durch, denn ich durfte auf keinen Fall zu sehr über ugandische Sicherheitsmaßnamen oder generell über die Tatsache nachdenken, dass gleich mein ganzes Leben an einem Abseilungsseil hängen würde. Nach mindestens 20-mal fragen, ob das auch wirklich sicher sei, stand ich als Erste mit dem Rücken zum Abgrund. Der erste Schritt an die blanke Wand war der schlimmste. Ich klammerte mich verzweifelt an dem Seil fest und hatte echt nicht den Mumm zuerst für ein Foto dieses lebenswichtige Seil loszulassen. Der Guide lies mich dann Stück für Stück in die Tiefe hinunter. Ich redete mir selber zu und starrte nur auf die Felswand vor mir.
Als aber schließlich mein Seil anfing sich zu drehen und meine Füße nicht mehr an der Wand standen sondern in der Luft baumelten, musste ich wohl oder übel einen Blick riskieren und wurde nicht enttäuscht: Neben mir der Wasserfall, dessen Kraft mir so noch mehr bewusst wurde. Solche enormen Wassermengen direkt neben mir! Dann geradeaus die wunderschöne Aussicht über die ugandische Hochebene und unter mir ein Wasserbecken gespeist von dem Wasserfall, und der Boden mit dem intensivsten Grün-Ton bedeckt, den ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich fing an zu Strahlen und konnte nicht mehr aufhören.
Als meine Füße den Boden berührten war ich zugleich erleichtert, enttäuscht dass es zu Ende war, und unglaublich glücklich und stolz auf mich.
Zwei ugandische Jungen halfen mir aus meiner Kletterausrüstung und ich schaffte es mit ihnen ein wenig Abstand zwischen mich und den Wasserfall zu bringen (ja ich war pitschnass und der Boden war enorm glitschig). Von einem der Guides kaufte ich noch einen Edelstein, der aus einer der Höhlen in der Region stammte. Dieser Stein wird für mich nun immer als Beweis dienen, dass ich tatsächlich meine Ängste überwunden habe, und dass ich alles schaffen kann, nachdem ich mich 60 Meter neben einem Wasserfall abgeseilt habe. Nachdem auch Meggie aus schwindelerregender Höhe sicher auf dem Boden landete, kam nach der ganzen Euphorie nun die größte Strapaze an dem Tag: Wir mussten irgendwie da wieder hoch, wo wir uns abgeseilt hatten. Erst ging es auf einem schmalen Pfad durch die ugandische „Dschungellandschaft“. Der Energieschub, den ich durch das Abseilen bekommen hatte, hielt leider nicht lange an, und ich war bald so erschöpft, dass ich ohne die helfende Hand einer der ugandischen Jungen sehr oft ausgerutscht oder gestürzt wäre. Das Schlimmste war dann der Aufstieg. Ich musste all meine Kraft zusammennehmen, damit ich nicht die klapprige Leiter hinunterfalle. Oben angekommen war ich dann aber sehr stolz auf mich, was ich an diesem Tag alles geschafft hatte.
Den restlichen Nachmittag nutzen wir zum Ausruhen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit einem Sammeltaxi nach Mbale zurück, und von Mbale aus mit dem Bus nach Kampala. Ich verbrachte dann noch zwei Nächte bei meiner Gastfamilie und wartete auf die Ankunft meiner Eltern und meiner Schwester in Entebbe/ Kampala.

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