Mein Arbeitsalltag in Mbarara und Infos über meine Organisation St. Francis

Nach dem Monat in Kampala ging es dann wieder nach Mbarara, wo ich nun ein Jahr in St. Francis im Child Sponsorship Department arbeiten werde.

St. Francis besitzt drei verschiedene Departments: Die „Tailoring School“, in der die Schüler lernen zu schneidern und wichtige Dinge über das Gründen eines eigenen kleinen Unternehmens erfahren. Das „Counsellor Training Institute“à eine Ausbildungsinstitut für psychologische Berater, Universität an der man Fächer wie Psychologie und Therapie belegen kann, und Anlaufstelle für gesponserte Kinder, die Beratungs-und Therapiestunden benötigen. Außerdem das dritte „Department“ und gleichzeitig das „Gründungsdepartment“, mit dem die Arbeit von St. Francis vor vielen Jahren anfing: das „Child-Sponsorship Department“.

Sobald ich ankam, tüftelte ich mit Frank Vuciri meinen Arbeitsplan aus. Ich arbeite jetzt montags, dienstags, mittwochvormittags, donnerstagnachmittags und freitagvormittags in St. Francis.

Hier habe ich verschiedene Bereiche in denen ich tätig bin:

Zum einen arbeite ich im Office des Child Sponsorship Department mit Kevina.

Wir haben im Moment 193 Schulkinder, die von Sponsoren aus ganz Europa und den USA finanziell unterstützt werden, damit sie zur Schule gehen können. Diese Kinder kommen alle aus sehr armen Verhältnissen. Viele von ihnen haben entweder mindestens ein Elternteil durch eine Krankheit verloren (meistens Aids), oder aber einer der Eltern hat die Familie verlassen (in den meisten Fällen der Vater). Auch wachsen viele der Kinder bei ihren Großeltern auf, weil sie von den Eltern zurück gelassen werden.

 Diese Schicksaalschläge, mit denen alle gesponserten Kinder zu kämpfen haben, haben mich sehr mitgenommen. Je mehr Biografien ich von diesen Kindern gelesen habe, desto mehr wurde mir bewusst wie wichtig die Arbeit hier von St. Francis ist.Fast jeden Tag kommen Eltern und Kinder ins Office und bitten um Unterstützung, doch müssen wir sie alle schweren Herzens abweisen. Zum einen können wir nur Kinder unterstützen, die noch vor der zweiten Klasse in der Grundschule sind, da die Suche nach einem Sponsor und die allgemeine Organisation oft zwei Jahre dauern kann (die Familien müssen besucht werden um sicher zu gehen, dass die Situation zu Hause auch wirklich so ist, wie es von den Familienmitglieder beschrieben wurde, eine geeignete Schule muss gefunden werden usw.). Zum anderen können wir im Moment keine weiteren Schulkinder aufnehmen, da wir nicht genügend Sponsoren haben.

Im Office helfe ich bei manchen Büroarbeiten (Bearbeitung der Tabellen der Schulgebühren, Anlegen verschiedener Ordner usw.), und bei der Kommunikation mit den deutschen Sponsoren. Außerdem übersetzte ich die englischen Newsletter ins Deutsche.

Auch bin ich im Outreach Programm tätig. Hier besuchen wir die Häuser bzw. Familien der Kinder und die Schulen. In den ersten Wochen haben wir mehrere Familien der Kinder, die aus unerklärlichen Gründen aus der Schule verschwunden sind, in ihren Dörfern besucht. Das ist zum Teil wirklich schwierig, da es zum einen hier in Uganda in den Dörfern weder Straßennamen noch Hausnummern gibt, zum anderen diese Dörfer meistens so abgelegen liegen, dass wir erst nach Stunden über ugandische Erdstraßen/-pisten und einer Fahrt durch unendlich wirkende Matookeplantagen in dem Dorf ankommen.  Wir erreichen dann meistens sehr durchgeschüttelt das zu Hause der Kinder, wenn wir sie denn überhaupt finden. Manche der Familien ziehen um, ohne es St. Francis mitzuteilen, da ist es dann fast unmöglich die neuen Wohnorte der Kinder aufzuspüren. Wenn wir die Familien dann finden, folgt ein Gespräch mit den Familienmitgliedern. Wir sprechen über die Gründe des Verschwindens des Kindes von der Schule, fragen nach der allgemeinen Wohn-und Lebenssituation und machen Fotos für den Ordner des Kindes. Diese Besuche sind sehr interessant für mich. Ich bekomme so das alltägliche Leben außerhalb der Stadt mit und sehe wie unsere gesponserten Kinder leben.  Außerdem ist alleine die Fahrt in die Dörfer ein richtiges Erlebnis für mich. Ich habe so schon echt viel von der Umgebung außerhalb Mbararas gesehen und bin immer wieder aufs Neue von der Schönheit der Natur hier fasziniert. Jedes Mal ist es auch nochmal ein anderes Erlebnis in den Dörfern als Muzungu aufzutauchen. Die Reaktionen gehen von in die Luft springenden, lachenden Kleinkindern (sehr süß!!), zu einer großen Gruppe gaffenden Kindern am Zaun (da fühlt man sich schon mal wie ein Tier im Zoo), bis hin zu interessiert oder weniger interessiert schauenden Dorfbewohnern.

Nach jedem Hausbesuch schreiben wir dann einen Bericht über das was wir gesehen und gehört haben.

Auch fuhren wir in den letzten Wochen in die Schulen und bezahlten die Schulgebühren der Kinder für den dritten Schulterm.

Neben der Arbeit in St. Francis gehe ich jetzt auch immer mittwochnachmittags und freitagnachmittags in die nah gelegene Mädchengrundschule „St. Helens“ hier in Nyamitanga und spiele mit den Kindern.

Es ist echt schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder jedes Mal freuen wenn ich komme. Jeder will meine Hand nehmen oder neben mir gehen, ich bin dann immer von einer Traube von kleinen Mädchen umringt.

Meistens bin ich dann mit 86 Schulkindern als einziger Lehrer auf der Wiese und versuche diese große Gruppe unter Kontrolle zu bekommen.

Das kann manchmal nach einem langen Arbeitstag echt anstrengend sein. Doch wenn wir dann anfangen die afrikanischen Rennspiele zu spielen (ich habe es aufgegeben ihnen deutsche Spiele beizubringen, weil sie jedes Spiel, dass ich versucht habe zu erklären, in ein von ihnen bekanntes ugandisches Spiel umgewandelt haben), und ich die lachenden Gesichter sehe, lasse ich mich mitreißen von ihrer Freude. Außerdem ist es sehr interessant zu sehen, dass die meisten ugandischen Spiele mit einem Gruppengesang unterlegt sind. Tanz und Gesang sind immer Teil eines Spieles.

Meine zweite Aktivität neben dem Unterrichten in der Schule, ist das Spielen mit den Kindern im Frauengefängnis in Mbarara jeden Donnerstagvormittag mit Ricarda. In diesem Frauengefängnis ist es den Frauen erlaubt ihre Kinder mit in das Gefängnis zu nehmen. Diese Kinder haben keine eigenen Spielsachen und nur ein paar wenige Spielgeräte im Innenhof, die allerdings von den meisten kleinen Kindern im Alter von 1 bis 7 nicht benutzt werden können. Wir haben in den letzten Wochen Spielsachen gekauft, mit denen wir in das Gefängnis gehen, damit die Kinder für ein paar Stunden auch einfach mal Kind sein können.

Mein Arbeitsalltag in Bildern:

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ugandischer Highway
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Der „Nationalvogel“ Ugandas
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Das Office in St. Francis in dem ich jeden Tag arbeite
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Fahrtstimmung
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Das St. Francis Office
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Schulbesuche unserer Schüler
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St. Francis
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zu Hause bei einem gesponserten Kind von uns
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Zu Hause bei einem gesponserten Kind von uns
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Zu Hause von einem gesponserten Kind von uns
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Prima und ich
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meine Freundin in der Arbeit Kevina und Ich

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