Das große Abschiednehmen und auf geht’s nach Uganda-erste Eindrücke-erste „Eingewöhnungswoche“ in Kampala-

DSCF6202Nach zwei Abschiedspartys, vielen Umarmungen und Tränen, fuhr ich schließlich am 4. August mit meinen Eltern und meiner Schwester an den Frankfurter Flughafen, wo ich die anderen Ugandis wieder traf. Bevor ich jedoch mein Gepäck abgeben konnte folgte die erste Hürde meiner Reise, die noch nicht einmal begonnen hatte: mein Koffer war zu schwer. Das bedeutete: Koffer auf, Sachen raus und in ein anderes Gepäckstück reinstopfen. Nach langem Hin und Her war dann das Gewicht gleichermaßen auf alle meine drei Gepäckstücke verteilt und ich konnte sie endlich aufgeben.

Am Frankfurter Flughafen AbschiednehmenVor der Sicherheitskontrolle dann noch einmal das schwerste Abschiednehmen von meinen Eltern, meiner Schwester und meinen drei besten Freunden .

DSCF6227Danach machte ich mich alleine auf den Weg Richtung Abfluggate. Dort traf ich dann die anderen Ugandis und wir stiegen zusammen voller Aufregung was uns in Uganda erwarten würde in den Flieger. Nach einer Zwischenlandung in Kairo und 9 Stunden Flug kamen wir schließlich mitten in der Nacht in Entebbe an.

Erster Gedanke nachdem wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sindà MÜCKEN!!! Jeder von uns holte das Moskito Spray aus seiner Tasche und sprüht wie wild sämtliche Körperteile damit ein, während die ugandischen Taxifahrer in aller Ruhe unser Gepäck in den vielen Taxis verstauten.

Schließlich ging es dann los in die ugandische Nacht Richtung Kampala. Durch das offene Fenster nahm ich dann meine ersten Eindrücke von Uganda auf: Der spezielle Geruch nach Erde, Kohle und Essen, die breite Straße ohne weißer Grenzlinie in der Mitte, das unglaubliche Treiben an der Straße mitten in der Nacht, die verschiedenen Verkehrsmittel von Fußgängern, Fahrradfahrern, Boda-fahren (à Motorradtaxi),Autos, Kleinbussen und großen Bussen alle auf der gleichen Straße.

Je mehr wir Richtung Kampala fuhren, desto heller wurden die Lichter, desto voller wurden die Straßen. Nach einem langen Rumgekurve in unheimlich wirkenden Gassen und der Angst Überfallen zu werden, da unser Taxifahrer das Hotel nicht fand, kamen wir dann endlich in unserem Hotel an.

Todmüde und geschafft von den vielen Eindrücken, fiel ich in mein Bett.

Die kommende Woche war dann voll von neuen Eindrücken, Fragen und Antworten.

Wir trafen schon am Flughafen in Entebbe auf Beate, unserer Koordinatorin hier in Uganda. Unter ihrer Leitung und mit der Unterstützung von Cruise und Antje kamen wir dann so langsam in Uganda durch ein Einführungsseminar an. In dieser ersten Woche lernten wir noch mehr Sachen über Uganda und das alltägliche Leben ( zum Beispiel das Verhandeln auf einem Markt), wir lernten das ugandische Geld kennen (das war am Anfang noch sehr verwirrend mit dem Umrechnen), und machten unsere ersten Erfahrungen auf den ugandischen Straßen.

DSCF6232Das erste, das mir bewusst wurde bei unserem Gang durch einen Stadtteil von Kampala war: Ich bin weiß. Ich war mir vorher noch nie meiner Hautfarbe so bewusst. Sobald wir auf der Straße waren, hörten wir von allen Seiten „MuzunguMuzungu how are you Muzungu?“ (Muzungu bedeutet „Weißer“). Ich war plötzlich nicht mehr einfach ein Teil einer sich fortbewegenden weißen Menge, konnte nicht einfach mal untertauchen, sondern stach heraus, und das wird sich das ganze Jahr nicht ändern. Ich glaube ab diesem Moment konnte ich nachempfinden, wie sich die Afroamerikaner nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland gefühlt haben müssen. Diese Muzungu Rufe und auch die Einstellung der Ugander zu den „Weißen“ ist aber auf keinen Fall als Diskriminierung gedacht, eher als eine Anerkennung unserer Herkunft. Trotzdem ist es schwierig mit diesem ständigen „Präsentsein“ umzugehen.

DSCF6253Nach ein paar Tagen im Hotel und Einführungsvorträgen, fuhren wir dann das erste Mal in die Innenstadt von Kampala. Je mehr wir in die Stadt kamen, desto schwieriger war es mit dem Matatu (à Kleinbus, der als Passagierbus umgebaut wurde, meistens mit Mensch und Tier so vollgestopft, dass man da schnell mal Platzangst bekommen kann ) durchzukommen.

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Taxipark in Kampala-Chaosordnung-
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Unsere Begleiterin Mary und ich in der Innenstadt von Kampala

Als wir in der Innenstadt ankamen, wartete schon die erste Herausforderung auf uns: die Straße überqueren. Kurz schauen, loslaufen und auf keinen Fall mitten auf der Straße stehenbleiben, hieß der Rat unserer Begleiterin Mary. Das war allerdings einfacher gesagt als getan. Jedes Mal wenn ein Boda (à Motorradtaxi), Matatu oder ein Auto auf mich zurasten, sprang ich wie ein aufgescheuchtes Huhn zur Seite.

DSCF6268Die ganzen Eindrücke an diesem Tag erschlugen mich förmlich. So viele Menschen, Häuser, Geräusche. Doch am anstrengendsten war der Verkehr. Die Ugander besitzen eine Verkehrsordnung die wir „Muzungus“ nicht verstehen können. Für uns ist das alles nur ein großes Chaos aus Autos, Bodas, Matatus, Bussen, Fahrrädern und Fußgängern. Doch es funktioniert. Eine Regel die mir in dem Verkehr klar geworden ist: Der größte Verkehrsteilnehmer hat Vorrang, die Andern fahren danach. Wann immer ein großer Reisebus durch die Stadt fährt, hupt er einmal und alle anderen Verkehrsteilnehmer machen Platz und warten bis sie an der Reihe sind zu fahren. Wegen der fehlenden strikten Verkehrsordnungen ist jeder darauf angewiesen auf den Anderen zu achten. Ich habe noch nie solche aufmerksamen Fahrer in Deutschland getroffen. Natürlich passieren trotzdem viele Unfälle und das Fatale ist, dass wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen viele dieser Unfälle für die Passagiere und Fahrer tödlich enden. Oft dauert es zu lange bis ein Arzt am Unfallort sein kann.

Wir machten dann eine Stadttour in Kampala. Mary führte uns sicher durch Kampala, ich konnte mir allerdings nicht vorstelle, dass ich mich jemals in diesem Chaos von Häusern und Straßen zurecht finden würde.

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Markt in Kampala im Regen

Mittagessen gab es dann auf dem Markt, auch eine ganz neue Erfahrung für mich. Umringt von Ständen mit Früchten, Gemüse und Fleisch, aßen wir dann

DSCF6276Matooke (à Kochbanane), Posho (à Maisbrei) und

DSCF6275Erdnusssoße mit Fisch.

Zum Abschluss der Einführungswoche gingen wir nochmal alle zusammen das ugandische Nachtleben erkunden und wurden nicht enttäuscht. Sobald wir in den Club kamen mussten wir einfach tanzen. Das lag zum einen an der Musik, die mit afrikanischen Rhythmen unterlegt ist, bei denen ich als begeisterte Tänzerin nicht still halten kann, zum einen aber auch daran, dass einfach jeder in diesem Club tanzte. Feiern hier in Uganda geht einfach nicht ohne tanzen. Natürlich fielen wir an diesem Abend als Gruppe von Weißen total auf. Das lag aber glaube ich nicht mal so sehr an unserer Hautfarbe, sondern eher an unserer „europäischen Tanzart“. Neben den Ugandern, die das Tanzen und das Gespür für den Rhythmus einfach im Blut haben (ich habe schon selbst Kinder gesehen, die unglaubliche Bewegungen beim Tanzen vollbringen), glich unser Tanzen hingegen einem regelrechten „Abmühen“ um mit den Bewegungen der Ugander mitzuhalten. Wir scheiterten gänzlich bei unserem Versuch die afrikanischen Rhythmen als einen Teil von uns werden zu lassen und mit vollem Herzen zu tanzen.

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